1. Biographie
Geboren am 4. April 1952 als Robert William Gary Moore in Belfast, Nordirland.

Mit elf Jahren bekam er seine erste Gitarre, eine Telecaster, was zur Folge hatte, dass er den ganzen Tag nur noch zu Hause auf dem Sofa saß und übte. Er war sehr von der neuen Musik seiner Zeit beeindruckt und hörte immer wieder Lieder von Elvis Presley und den Beatles, die er auf seiner Gitarre nachzuspielen versuchte.In den 60er Jahren übten Blues-Legenden wie Jimi Hendrix and John Mayall’s Bluesbreakers einen starken Einfluss auf ihn aus. Eine enge Beziehung veband ihn jedoch mit Peter Green, der das Talent erkannte und förderte. Es war auch Peter Green, von dem er drei Gitarren erwarb, eine1959er Gibson Les Paul, eine 1961er Fender Stratocaster sowie eine Gibson Les Paul Junior. Die 59er Les Paul ist inzwischen legendär und dürfte die teuerste Gitarre der Welt sein. Gary Morre bedankte sich bei Peter Green u.a. mit dem Album Blues For Greeny (1995).
1970 nahm er mit Skid Row (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen US-amerikanischen Band) seine erste Platte auf. Phil Lynott, ein anderes Mitglied bei Skid Row, stieg kurz darauf aus, um seine eigene Combo Thin Lizzy zu gründen. 1974 stiegt auch Moore bei Thin Lizzy ein, verließ die Band aber kurz danach wieder. 1975 schloss er sich Colosseum II an.
1978 erschien nach mehreren Versuchen endlich sein erstes Soloalbum „Back on the Streets“, im darauf folgenden Jahr entwickelte sich „Parisienne Walkways“ zum Singlehit. 1979 entschloss sich Gary, wieder bei Thin Lizzy einzusteigen, nur um die Band mitten in der US-Tour wieder zu verlassen und eine eigene Band namens G-Force zu gründen, die allerdings nur ein einziges Album veröffentlichte.
Ab 1982 brachte Gary Moore in schöner Regelmäßigkeit Soloalben heraus. 1984 tourte er mit VanHalen, Ozzy Osbourne und „AC/DC“, 1985 tat er sich noch einmal mit Phil Lynott zusammen, um Thin Lizzy wiederzubeleben. Eine EP erschien, zu mehr kam es leider nicht, weil Lynott mit 35 Jahren starb.
1989 brach Gary wegen Erfolglosigkeit seine Tour ab und beschloss, dem Hardrock den Rücken zu kehren. Fortan wendete er sich mehr dem Blues zu. 1990 erschien „Still Got The Blues“, welches Coverversionen von Standard Blues-Songs sowie selbst geschriebene Stücke enthält. Gaststars waren Albert Collins und George Harrison.
1994 schloss sich Moore mit Jake Bruce, Ginger Baker (beide Ex-Cream) zu BBM zusammen und nahm das Album „Around The Next Dream“ auf. 1995 erschien „Blues for Greeny“, eine Platte mit alten Peter Green-Kompositionen, von Gary Moore interpretiert.
1997 ein erneuter Wechsel: Auf „Dark Days in Paradise“ ist weniger Blues enthalten, dafür mehr Rock und Pop. So erscheint 1999 mit „A DifferentBeat“ ein Mix aus Rock, Blues und ein wenig Bigbeat, bei dem auch elektronische Klänge nicht fehlten. 2002 kündigte er eine Rückkehr zu seinen Hardrockwurzeln an. Mit dem Bassisten Cass Lewis und Schlagzeuger Darrin Mooney bildet er die Combo Scars. Das gleichnamige Debütalbum ist nach Moores Angaben sein bis dahin härtestes.
Was er im Mai 2003 bei mehreren Monsters Of Rock-Auftritten mit Scars-Besetzung, aber unter eigenem Namen, eindrucksvoll bewies. Neben einer Live-CD erschien auch eine in Sheffield aufgenommene DVD, die hauptsächlich aus altem Material und berühmten Stücken wie „Don’t Believe A Word“, „Out In The Fields“ oder „Parisienne Walkways“ besteht. Anschließend widmete er sich wieder seiner alten Liebe und veröffentlichte im Juni 2004 „Power Of The Blues“, gefolgt vom 2006er „Old New Ballads Blues“.
Ein vollständige Diskographie aufzuführen, würde hier sicherlich den Rahmen sprengen. Wer sich dafür interessiert, findet alle Alben hier.
Obwohl Gary Moore technisch wohl zu den besten Musikern des Genres gehört, blieb ihm der ganz große Erfolg versagt. Er kann zwar ein paar Titel in den Top 10 vorweisen, ein Nummer 1 Hit ist jedoch nicht dabei. Sein Handikap ist möglicherweise ein Aussehen, das nicht den heutigen Anforderung aus Hollywood entspricht und die Tatsache, dass sein Musikstil für ein breites Massenpublikum nicht geeignet ist. Für heutige Verhältnisse ist er einfach musikalisch zu anspruchsvoll und zu intellektuell.
Zumindest genauso erfolgreich wie Gary Moore war Nightwish mit der Cover-Version von „Over the Hills and far away“. Beeindruckt mich hat mich daran, dass es Emppu gelingt, die schweren Gitarren-Parts ohne große Mühe nachzuspielen. Tarja hingegen, die ich sonst sehr schätze, ist imho durchaus überfordert. Ihr Problem ist dabei natürlich nicht die Technik. Aber als junge Frau, die doch sehr behütet aufgewachsen ist, kann sie einfach die Verzweiflung des zu Unrecht verurteilten, der einsam in seiner Zelle sitzt, nicht überzeugend darstellen. Gary Moore gelingt dies mühelos.
2. Musikstil
Wie sich schon aus der Biographie ergibt, beherrscht er vier Stile:
- Irische Folklore
- Rock bzw. Metal
- Blues
- Jazz
Seine besten Stücke im Bereich Irische Folklore sind imho die, bei denen er mit Phil Lynott zusammen gearbeitet hat. Ein gutes Beispiel dafür ist „Wild Frontier“.
Die Einflüsse aus dem Jazz sind sogar bei seine Blues-Stücken deutlich erkennbar. So verwendet er bei „Still Got The Blues“ eine herkömmliche II-V-I-Progression, die er lediglich auf der Stufe V leicht variiert.
3. Tonmaterial
Der Einfluss des Jazz zeigt sich auch daran, dass Gary Moore viele scales perfekt beherrscht und im Stück mühelos wechselt. Um nur einige Beispiele zu nennen:
- Still Got The Blues
Gary Moore benutzt hauptsächlich die A-Moll-Pentatonik, ergänzt durch A-Äolisch. Hinzu kommt kommt ein kurzer Abstecher zu Harmonisch-Moll.
- The Loner
Der Hauptteil bewegt sich in Natürlich-Moll (G). Zum Ende benutzt Gary Moore auch die G-Moll-Pentatonik.
- Story of The Blues
Ein klassischer Blues sowohl in der Harmonik als auch im Tonmaterial. Gary Moore benutzt lediglich die A-Dur-Blues-Tonleiter..
- Empty Rooms
Das Solo besteht aus einer Kombination aus der D-Moll-Pentatonik und Natürlich-Moll. Gegen Ende gibt es einen kurzen Ausflug zu D-Ionisch..
- Parisienne Walkways
Im Wesentlichen ein Wechsel zwischen A-Natürlich-Moll und harmonisch-Moll. Teilweise benutzt er auch H-Vermindert.
4. Equipment
Früher hat Gary Moore eine Vielzahl von Gitarren gespielt, darunter Fender, Gibson Charvel, Ibanez und Jackson. Für seine Blues-Stücke benutzte er fast ausschließlich die 59er Paula (die er jedoch im März 2006 leider verkauft hat).

Gary Moore ist bekannt für seine Anhänglichkeit zu Marshall. Seine Ausstattung reicht von MG 15 bis JCM 2000. Gelegentlich kann man auf der Bühne aber auch mal einen Soldano sehen.
Effekte benutzt er relativ zurückhaltend. Nach seiner Aussage benötigte er für „Still Got The Blues“ lediglich einen Gov’nor. Sein Sustain erreicht er gern mit Gitarre, Verstärker und Fingern. Besonders eindrucksvoll ist, wie er bei Live-Konzerten beim Stück „Parisienne Walkways“ den Ton ca. 30 sec. stehen lässt. Hauptsächen Anteil haben dabei ein Full-Bending und eine Paula.